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Betrunkene Industriekauffrau stürzt auf betrieblichem Grillfest - Muss die Unfallversicherung zahlen?

Das Sozialgericht Dortmund hatte vor Kurzem einen schwierigen Fall zu entscheiden: Eine Arbeitnehmer war gestürzt und verlangte von der gesetzlichen Unfallversicherung, den Sturz als Arbeitsunfall anzuerkennen.

Die Rechtsprechung ist in diesem Bereich leider meist sehr streng, das heißt es wird vieles nicht als Arbeitsunfall anerkannt. Und deshalb lehnen die Berufsgenossenschaften die Anerkennung von Arbeitsunfällen ab wie die Weltmeister. Die Geschädigten sind dann natürlich oft unzufrieden und fühlen sich als Lügner abgestempelt. Doch wie der vorliegende Fall zeigt, weisen die Gerichte die Berufsgenossenschaften auch immer wieder in ihre Schranken.

 

Was genau war passiert?

 

Die Arbeitnehmerin ist Industriekauffrau und nahm an einem Workshop des Arbeitgebers in einem sauerländischen Hotel teil. In dem Workshop sollte die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen verbessert werden. Zur Förderung des Betriebsklimas wurde am Abend auch eine Grillfeier mit offenem Ende veranstaltet. Essen und Trinken war auf der Veranstaltung kostenlos. 

Nach einigen alkoholischen Getränken machte sich die Industriekauffrau gegen Mitternacht auf den Weg zur Toilette, die sich auf dem Gelände befand. Dabei knickte sie dann um und erlitt einen Bruch des linken Sprunggelenks. Kann man so etwas noch als Betriebsunfall werten? Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall BGHM in Dortmund lehnte das ab. Denn es sei in dem Fall um eine Freizeitveranstaltung und nicht um eine betriebliche Tätigkeit gegangen.

 

Wie hat das Sozialgericht entschieden?

 

Die Frau hat die Entscheidung der Berufsgenossenschaft natürlich nicht akzeptiert und hat deshalb Klage erhoben. Und das hat sich gelohnt: Denn das Sozialgericht Dortmund hat ihr Recht gegeben. 

Das Gericht hat die Abendveranstaltung als eine betriebliche Tätigkeit eingeordnet. Zwar hätte keine Anwesenheitspflicht mehr bestanden, die Vorgesetzten hätten den Grillabend aber auch nicht beendet. Folglich habe es sich auch noch um eine Betriebsveranstaltung gehandelt. Auch die Alkoholisierung der Klägerin tue hier nichts zu Sache. Denn sie sei noch zu einer angemessenen Teilnahme an dem geselligen Beisammensein in der Lage gewesen. Und darum sei es dem Arbeitgeber ja schließlich auch gegangen. 

 

Was ist davon zu halten?

 

Die Entscheidung des Gerichts finde ich natürlich völlig richtig. Auf solchen Veranstaltungen wird die Teilnahme der Mitarbeiter ja auch vom Arbeitnehmer erwartet. Sie steht also in einem engen Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit. Dann darf sich die Unfallversicherung auch nicht aus der Verantwortung stehlen! Hier sollte man sich von den Berufsgenossenschaften nichts gefallen lassen.

 

 

Wenn Sie selbst einen Arbeitsunfall erlitten haben und die Berufsgenossenschaft sich quer stellt, berate ich Sie gerne zu ihren Rechten.

Je früher, desto besser: Denn oftmals wird meinen Mandanten eine Lüge unterstellt, wenn sie - was bei Erinnerungen vollkommen normal ist - im Laufe der Zeit den Geschehensablauf leicht abgewandelt darstellen. Hier kann anwaltlicher Rat helfen, keine Fehler zu machen. 

 

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