Knochenbruch bei betrieblichem Schlittschuhlaufen - Ein Arbeitsunfall?

Die Anerkennung von Arbeitsunfällen durch die gesetzliche Unfallversicherung gestaltet sich oft schwierig. Die Sozialgerichte erkennen viele Arbeitsunfälle nicht an. Besonders schlimm ist aber das Vorgehen der Berufsgenossenschaften: Hier hat man nur geringe Chancen auf die Anerkennung eines Arbeitsunfalles. Und dieses Vorgehen der Berufsgenossenschaften ist oft rechtswidrig. 

 

Im vorliegenden Fall ging es mal wieder um die schwierige Abgrenzung zwischen beruflicher Tätigkeit und Freizeit. Denn nur wenn ein Arbeitnehmer bei der beruflichen Tätigkeit einen Unfall hat, liegt auch regelmäßig ein Arbeitsunfall vor, wenn keine anderen Ursachen (Vorschäden) hinzutreten. Nur dann hat man Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung.

 

Was genau ist passiert?

Die Klägerin arbeitet als Teamleiterin in einem Betrieb in der Modebranche. Am Tag des Unfalls hatten alle Mitarbeiter frühzeitig die Arbeit niedergelegt, um gemeinsam Schlittschuhlaufen zu gehen. Das Ganze sollte eine Maßnahme für ein besseres Miteinander im Betrieb sein. Als die Klägerin dann auf der Eisbahn den ersten Schritt aufs Eis wagte, passierte es: Sie kam ins Rutschen, stürzte und brach sich das Handgelenk. 

 

Danach forderte die Frau natürlich von der Berufsgenossenschaft, den Sturz als Arbeitsunfall anzuerkennen. Die lehnte das ab. Unter anderem behauptete die Berufsgenossenschaft, die gewählte Sportart würde gegen einen Arbeitsunfall sprechen. Denn beim Schlittschuhlaufen ginge es nicht vorrangig darum, den Mannschaftsgeist zu stärken. Das ließ die verunglückte Teamleiterin nicht auf sich sitzen. Sie zog vors Sozialgericht Detmold. 

 

Wie hat das Gericht entschieden?

Das Sozialgericht Detmold hat die Klage abgewiesen. Es sah in der Teilnahme am Schlittschuhlaufen keine berufliche Tätigkeit. Denn die Entscheidung Schlittschuhlaufen zu gehen, kam nicht direkt von der Geschäftsleitung. Es war eine Idee der Mitarbeiter, die dann von der Teamleiterin umgesetzt wurde. Es habe sich deshalb nicht um eine betrieblichen Gemeinschaftsveranstaltung gehandelt. Außerdem habe das Unternehmen das Schlittschuhlaufen auch nicht als Arbeitszeit angerechnet. Das spreche auch dafür, dass es sich um eine Freizeitveranstaltung gehandelt habe.

 

Was ist davon zu halten?

Wer soll das verstehen? Niemand. Erst vor Kurzem habe ich über einen ähnlichen Fall berichtet, in dem eine betrunkene Mitarbeiterin auf einem betrieblichen Grillfest stürzte. Damals hat das Sozialgericht Dortmund der Klägerin recht gegeben und den Arbeitsunfall anerkannt. Es kann doch keinen Unterschied machen, ob die Teamleitung oder die Geschäftsleitung eine betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung beschließt. Es wäre wünschenswert wenn die Sozialgerichte ihre Rechtsprechung hier besser miteinander abstimmen. 

 

 

Wenn Sie selbst einen Arbeitsunfall erlitten haben und die Berufsgenossenschaft sich quer stellt, berate ich Sie gerne zu ihren Rechten. Bei Arbeitsunfällen gilt immer: Je früher die Beratung, desto besser das Ergebnis, weil es viele Fallstricke für Betroffene in dem Verfahren gibt.

 

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