Darf man Krankengeld beziehen und gleichzeitig in den Urlaub fahren?

Wer erhält überhaupt Krankengeld?

Wenn ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig erkrankt ist, erhält er zunächst für bis zu 6 Wochen eine Entgeltfortzahlung im Krankeitsfall von seinem Arbeitgeber. Ab der sechsten Woche muss der Arbeitgeber nicht mehr zahlen und die gesetzliche Krankenkasse springt ein: Sie zahlt dem Erkrankten ein Krankengeld. Das Krankengeld beträgt 70 % des vorherigen Bruttogehalts, aber höchstens 90 % der vorherigen Nettogehalts. 

 

Was darf man während der Krankschreibung alles machen?

Für Bezieher von Krankengeld gilt der Grundsatz: Kranke sollen sich so verhalten, dass sie wieder gesund werden. Das bedeutet auch, alles sein zu lassen, was die eigene Genesung behindert. Man muss sich also als Kranker nicht zu Hause aufhalten. Oft können zum Beispiel Spaziergänge, Sport oder das Treffen von Freunden bei der Genesung helfen. Aber darf man auch Krankengeld beziehen und in den Urlaub fahren?

 

Krankengeld und Urlaub in Deutschland

Innerhalb Deutschlands darf sich ein Bezieher von Krankengeld aufhalten, wo er möchte. Das gilt jedenfalls, solange das seine Genesung nicht gefährdet. Ein Urlaub in den Bergen oder am Meer kann für so manche Erkrankung eine echte Wohltat sein! Und dazu muss man nicht einmal die Krankenkasse um Erlaubnis fragen. Eins muss man aber beachten: Man sollte für die Krankenkasse telefonisch und postalisch erreichbar bleiben. Für die Post empfiehlt es sich deshalb entweder einen Nachsendeantrag zu stellen oder eine Vertrauensperson zu bitten, während des Urlaubs den Briefkasten durchzusehen.

 

Krankengeld und Urlaub im Ausland

Aber darf man auch Krankengeld beziehen und Urlaub im Ausland machen? Im Prinzip schon. Man muss bloß darauf achten, vorher die Zustimmung seiner Krankenkasse einzuholen. Denn sonst hat man während des Urlaubs keinen Anspruch auch Krankengeld mehr.

 

Und was kann man tun, wenn die Krankenkasse nicht zustimmt?

Verweigert die Krankenkasse die Zustimmung, kann man dagegen Widerspruch und Klage einlegen. Das hat vor Kurzem ein mutiger Bezieher von Krankengeld getan und vom Sozialgericht Karlsruhe recht bekommen.

Der Mann war längerfristig erkrankt und wollte mit seiner Familie am Mittelmeer Urlaub im Ferienhaus machen. Er legte seiner Krankenkasse auch eine ärztliches Attest vor, das seine Reisefähigkeit bestätigte. Trotzdem verweigerte die Krankenkasse ihm die Zustimmung zum Urlaub. Das begründete sie damit, dass sich die Krankheit im Urlaub möglicherweise verschlechtern könne. Das Sozialgericht hat nun entschieden, dass die Krankenkasse rechtswidrig gehandelt hat. Denn die Krankenkasse habe die möglichen gesundheitlichen Vorteile des Urlaubs nicht ausreichend berücksichtigt. Das Gericht stellte dabei klar, dass die Krankenkasse die Zustimmung nur verweigern darf, wenn die Arbeitsunfähigkeit im Ausland nur schwierig festgestellt werden kann. Wurde die Arbeitsunfähigkeit aber schon in Deutschland für die gesamte Dauer des Urlaubs festgestellt, darf die Krankenkassen die Zustimmung nicht verweigern.

Interessant; Auch ein Umzug in ein EU-Ausland wie z.B. Spanien muss den Krankengeldanspruch nicht durchstreichen.

Was ist davon zu halten?

Das Urteil ist natürlich zu begrüßen und macht Mut. Kranke wissen selbst meist am besten, welcher Urlaub gut für sie ist. Deshalb sollte man sie auch in der Wahl des Reiseziels nicht unnötig einschränken. Für manchen wird die gute Mittelmeerluft Wunder wirken! Wem die Krankenkasse die Zustimmung trotz eines ärztlichen Attests verweigert, der sollte sich wehren. Das bedeutet Widerspruch und notfalls Klage einzulegen.

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