Was Sie zum Thema Hartz 4 und Stromsperre unbedingt wissen müssen

Was die Empfänger von Hartz 4 schon lange wussten, wurde nun auch von offizieller Stelle festgestellt: „Bei Hartz IV reicht der Anteil für Strom nicht aus“ urteilt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Verbraucherzentrale hat mit dem Landesprojekt „NRW bekämpft Energiearmut“ umfassend Daten erhoben. Nun rechnet sie vor, dass der Stromanteil vom Arbeitslosengeld II einfach nicht für die Stromrechnung reicht.

 

Wieviel Geld bekommt ein Hartz-4-Empfänger für die Stromrechnung?

Ein alleinstehender Leistungsempfänger bekommt vom Jobcenter aktuell 35,05 EUR für Strom. Wer sein Wasser elektrisch aufheizt (z.B. mit einem Durchlauferhitzer), bekommt nochmal 9,57 EUR obendrauf (§ 21 Abs. 7 SGB II). Wer einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 1.900 kWh hat und Strom über einen mittelpreisigen Grundversorgungstarif bezieht, zahlt monatlich 44,62 EUR. Damit fehlen jeden Monat 10,54 EUR für Strom. Das klingt erstmal nach wenig, ist aber bei den knappen Geldleistungen vom Jobcenter eine ganze Menge. Noch schlimmer ist es bei Alleinerziehenden mit einem Kleinkind: Ihnen fehlen nach derselben Rechnung jeden Monat ganze 26,22 EUR. 

 

 

Ab 100 EUR Stromschulden kann eine Stromsperre drohen

Empfänger von Hartz 4 und Sozialhilfe sind deshalb überdurchschnittliche häufig von Stromsperren betroffen. Läuft ein Zahlungsrückstand von 100 EUR oder mehr an, ist der Energieversorger berechtigt die Stromlieferung einzustellen. Die Folgen sind heftig: Kein warmes Wasser, kein Licht, noch nicht einmal Kochen kann man. 

Eine Stromsperre muss der Anbieter aber mindestens vier Wochen vorher ankündigen. Es muss dann noch eine weitere Ankündigung drei Werktage vor der Sperre erfolgen. 

 

Mein Stromanbieter hat mir eine Stromsperre angekündigt - Was mache ich nun?

Hier ist schnelles Handeln geboten, damit Sie nicht plötzlich im Dunkeln sitzen. Ein erster Schritt kann es sein, den Stromanbieter zu kontaktieren und mit ihm einen Kompromiss auszuhandeln. Manche Stromanbieter lassen sich auf eine Ratenzahlung ein. Wenn Kinder im Haushalt leben, sollten Sie das unbedingt dem Stromanbieter mitteilen. Manche Anbieter nehmen dann Rücksicht und stellen den Strom nicht ab. Das Kundencenter des Energieversorgers wird Ihnen auf Wunsch auch die Telefonnummer einer Beratungsstelle geben. 

 

Hilft mir das Jobcenter?

Eine weitere Lösung kann es sein, beim Jobcenter die Situation zu schildern und ein Darlehen für die Stromschulden zu beantragen. Das Sozialgericht Köln hat bereits entschieden, dass das Jobcenter unter Umständen verpflichtet ist das Darlehen zu erbringen. Wenn sich das Jobcenter oder der Stromanbieter querstellen, berate ich Sie gerne. Es muss in der Regel nur schnell gehen. Unter Umständen muss eine einstweilige Anordnung beantragt werden.

Dabei haben Sie als Empfänger von Grundsicherungsleistungen das Recht auf einen Beratungshilfeschein und auch auf Prozesskostenhilfe. Auch hierzu berate ich Sie gerne.

 

Ein letzter wichtiger Hinweis: Wenn ihnen der Strom abgestellt wurde, werden Sie bloß nicht leichtsinnig im Umgang mit Feuer. Kerzen sind immer nur mit größter Vorsicht zu verwenden. Ein offenes Feuer in Innenräumen ist wegen des Rauchs lebensgefährlich und deshalb niemals eine Option!

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